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Junge 08er als Elfenschar in der Kulturhalle

Der Eintrittskarte für die Kulturhalle war es nicht anzusehen, was den Besucher da unter "Sommernachtstraum" erwartete, und mancher mag da wohl mit falschen Vorstellungen gesessen haben. Was die Dramatische Bühne Frankfurt mit wenigen Darstellern und äußerst sparsamen Requisiten, aber prächtigen Kostümen darbot, war eine ganz eigenwillige aktualisierende Bearbeitung des klassischen Shakespeare-Stoffes.

Das bekannte Stück wurde auseinander genommen und neu zusammengesetzt, die Handlung ganz grob der Vorbild folgend mit viel Komödiantik und rasantem Tempo (nicht nur in der Sprache, in die man sich erst einhören musste), mit neuen Namen und Szenen, die überraschte Heiterkeit auslösten: etwa die Flugzeugansage des "Service-Teams" oder die Vorschau am Ende des Stückes, wie es den Liebenden wohl in 20 Jahren ergehen mag: "Lieber die Hölle zu zwein als dass man bleibt ewiglich allein....".

Klassische Zitate im Wechsel mit zum Teil recht derbem und neudeutschem Wortschatz verlangten den Zuhörern große Flexibilität ab.

Die enorme Spielfreude und die sehr guten Leistungen der Akteure, die alle Mehrfachrollen hatten und alleine schon durch ständiges Umziehen eine ungeheure Tempoleistung erbringen mussten, gepaart mit einer perfekten Bühnenbeleuchtung, ließen den Abend schon zu einem amüsanten Genuss werden.

Sommernachtstraum Kulturhalle Rödermark

Sommernachtstraum in der Kulturhalle

Einen zusätzlichen Höhepunkt bildete zweifellos das, was Theaterchef, Regisseur und Hauptdarsteller Thorsten Morawietz zu Beginn als "kleines special" angekündigt hatte: Der Auftritt von Rödermärkern und Rodgauern in Nebenrollen machte das amüsante Stück zu einem köstlichen Heimspiel. In den Rollen der Handwerker (Szenen, die sonst ausgefallen wären), präsentierten sich mit natürlichem Charme und umwerfender Komik Mechthilde Zöller, bestens bekannt aus dem Ober-Röder Pfarrgemeinderat, von "100 Jahre St. Nazarius" und vom alljährlichen Kirchenfasching; Elektromeister Wolfgang Christ, der früher schon im Kerbtheater mitspielte und ebenfalls bei "100 Jahre Nazarius" glänzte; Horst Schwab, Hallentechniker der Kulturhalle Rödermark, der gerne schon öfters mal den Technikerplatz mit der Bühne getauscht hätte, und Eva Schikowski aus Nieder-Roden. Die Kontakte waren über Kulturhallenleiter Dietmar Schrod zu Stande gekommen, der sich solche Verknüpfungen öfters vorstellen kann: "Wenn es nach mir geht, war das nur der Anfang...."

Den meisten Spaß hatten sicher die Laiendarsteller selbst. Schon bei den Proben kamen sie aus dem Lachen kaum mehr heraus und stellten die Geduld von Thomas Morawietz auf eine harte Probe. "Einen Schauspieler würde er sicher ganz anders behandeln bei Fehlern, aber mit uns hat er riesige Geduld!" freute sich zum Beispiel Mechthild Zöller, die auch von ihren Sprachklippen erzählte: "In meinem Text kommt das Wort "Probenplanungsgenossenschaft" vor - ein blödes Wort, das geht einem gegen den Strich - da hat der Schauspieler mit seiner leichtfüßigen Stimme Vorteile! Da kommen wir mit unseren lahmen Zungen nicht nach! Ich hab mir einen Spickzettel dafür gemacht!"

Weitere Nebenrollen, die der Elfenschar, spielten Kinder und Jugendliche aus dem Ober-Röder Musikverein Viktoria 08. In hinreißenden Kostümen und mit verklärten Gesichtern bewegten sie sich wunderschön mystisch und sehr "jenseitig".

Das Publikum, das selbst immer wieder ins Geschehen mit eingebaut wurde, dankte den Profis wie den Laienakteuren mit langem, herzlichem Beifall.

Quelle: Offenbach Post



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