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Ein Konzert der Extra-Klasse – „08er“ spielten durchweg souverän

Bereits Wochen vor dem ersten Ton war das Weihnachtskonzert des Musikvereins Viktoria 08 ausverkauft gewesen. Zu Recht - möchte man sagen. Denn das Publikum in der Kulturhalle bekam für sein Eintrittsgeld weit mehr als genug geboten, üppig bemessene Quantität und vor allem souveräne, abendfüllende Qualität.

Zu ihr machte man sich auf mit Verdis "Aroldo"-Ouvertüre. Dabei ließ der stattliche Klangkörper von Dirigent Dieter Weis schon mal locker, aber Ehrfurcht gebietend seine Muskeln spielen. Bei Steve Reinekes "Die Hexe und die Heilige" führte das Ensemble vor Ohren, wie viel fundamentale Substanz es gerade aus seinen enormen Tiefen hochzuholen im Stande ist. Das mittelalterlich Diabolische an dieser Programmmusik nach dem Roman von Ulrike Schweikert arbeitete es absolut anschaulich und entsprechende Gefühle weckend hervor. Heuer hatten einige der A-Liga-Orchester der Gegend diese Komposition auf ihren Notenständern - die Version der Ober-Röder dürfte dabei eine der besten gewesen sein.

Tomohiro Tatebes "Suite alter keltischer Volkslieder" und Alfred Reeds "Armenische Tänze Teil 1" schlossen da interpretationsqualitativ nahtlos an. Es fiel dabei nicht auf, dass diese Werke bei allem Ausdruck nicht die Bildhaftigkeit besitzen wie etwa "Die Hexe und die Heilige". Ihre erhabene Monumentaliät fürs innere Auge steigerten die Ober-Röder noch bei Miklos Roszas "Ben Hur".

Da wirkte die swingende Soulpoppigkeit von Ray Charles gleich im Anschluss zunächst fast wie eine kalte Dusche für die Gänsehaut, die "Ben Hur" erzeugt hatte. Aber Entspannung war nötig und wurde mit Michael Browns Charles-Medley gewährt. Danach kam es zu einer "WeltUraufführung". Das alte Weihnachtslied "The First Noel" in einem transparenten Arrangement für die "Viktorianer" von Ulf Anneken, der das Michelstädter Gymnasium besuchte und derzeit am berühmten Berklee-College of Music in Boston dem Abschluss seines Studiums als Arrangeur, Komponist und Produzent entgegenstrebt.

Der zweite Teil, dem auf Grund seines sozusagen definitiven Abgerundetseins keine Zugabe angeheftet wurde, endete mit Franz Springers weihnachtlichem Tongemälde "Friede auf Erden". Begonnen hatte er mit Chuck Mangiones "The Children Of Sanchez", bei denen allen voran die Posaunen ihre Quirligkeit ausspielten. Überhaupt gebührt ihnen - im Verbund mit den Tuben - für ihre glänzenden Leistungen hindurch die Bescheinigung, "primus inter pares" gewesen zu sein.

The Kites Blockflötenensemble

Das Ensemble „The Kites“ bei der Probenarbeit

Versierte Primusse waren dann die Gäste, die in beiden Konzerthalbzeiten ihren Block hatten. Es waren dies die Nichte von Dieter Weis, Simone Weis, sowie Rosemarie Heger und Dominik Schneider, die sich als Studierende der Musikhochschulen in Berlin, Düsseldorf und Köln auf ihr Konzertexamen vorbereiten. Das Trio, das auf einem Saiteninstrument und einem ganzen Arsenal an Blockflöten (darunter mannshohe, viereckige) spielte, nennt sich "The Kites".

Die drei Virtuosen ließen während ihrer Beiträge nicht die leisesten Zweifel an ihrem atemberaubenden technischen Können aufkommen. Gerade bei Blockflöten und hochdiffizilen Stücken ist ganz besonders ebenso gestalterisches Können unverzichtbar. Auch das zeigten "The Kites", bei denen man den Fokus seines Gehörs von quasi "viktorianischem" Pomp auf zerbrechliche Fragilität einzustellen hatte. Bei Johann Matthesons etwas spröder "Sonata op 1, No. 6" konnte man eine gewisse Gedehntheit empfinden, bei Willem Wander van Nieuwkerks ungewöhnlicher, origineller "Kadanza" Verblüffung darüber, mit wie spartanischen Mitteln Blockflöten echt "grooven" können. "The Kites" waren zu den und für die "Viktorianer" Gegenpol, "Kontrapunkt" und Bereicherung in einem Programm, dessen Darstellung zu den besten der musikvereinlichen Wintersaison 2005 in der Region zu zählen ist.

Quelle: Offenbach Post



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