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Blasorchester ließ Ivanhoe und seine Ritter lebendig werden

Seit Jahren ausverkauft: die Weihnachtskonzerte der Ober-Röder „Viktorianer“

Den Huldigungsmarsch aus "Sigurd Jorsalfar" von Edvard Grieg zum Auftakt seines 37. Weihnachstkonzertes begann das Blasorchester des Musikvereins Viktoria 08 Ober-Roden in der ausverkauften Kulturhalle rau, fügte dann peu á peu dessen Einzelteile, die Nahtstellen aufzuweisen drohten, so geschickt und letztlich souverän zusammen und ineinander, dass gerade der kantige Charme dieser Interpretation diese zu einem Höhepunkt machte. Es folgte Camille Saint-Saens "Karneval der Tiere" mit Texten frei nach Loriot. Sprecherin war Orchestermusikerin Corinna Lang, die ihre Sache sehr schön - stellenweise fast ein wenig "singend" - machte.

Weihnachtskonzert 2004

Allerdings klang die Mikro-Übertragung ihrer angenehmen Rezitation verhangen, so dass sich eine deutliche Textverständlichkeit erst allmählich einstellte. Als sich die Musik vom Eber zu den Leguanen bewegte, tat sie das in der Viktorianer-Darstellung so umwerfend quirlig und gut, dass daran selbst der voll und schweißtreibend in der Dirigier-Arbeit steckende Dieter Weis seine helle Freude hatte. Philip Sparke danach wirkte kompositorisch wie interpretatorisch etwas sperrig und übermotiviert. Bert Appermonts lautmalerischer "Ivanhoe" vor der Pause gelang buchstäblich anschaulich - in dem Maße, dass man das Rittergenre lebendig werden sah in der Kulturhalle.

Wilfried Kornmeiers Orchesterversion des Paul und Barry Ryan-Klassikers "Eloise" zum Start in die zweite Halbzeit brachte in den Höhen die 1. Trompeten zum "Fighten". Schade, dass die Kornmeier-Fassung das geniale Strombass-Glissando, das das letzte Drittel dieses tollen Pompös-Pops regelrecht abheben lässt und gleich ins Universum schleudert, "verschluckt". Endgültig alle Leinen losgelassen wurden inmitten des Walter Ratzeck'schen Phil Collins-Medleys spätestens bei "Easy Lover", als die Viktorianer als auf Touren befindliche musikalische Maschinerie, selbst wenn man gewollt hätte, wohl nicht mehr zu stoppen gewesen wären. Und den Faden Phil Collins, der vom Schlagzeuger zum Sänger und Superstar wurde, spann nun Dieter Weis tatsächlich fort - für einige Momente auf die Kulturhallenbühne.

Weihnachtskonzert 2004

Er präsentierte da einen Drummer, der sang, Thomas Schmalz. Er hatte die Leadvocals der "Bohemian Rhapsody" von "Queen" zu realisieren, während die berühmten Chöre und übereinander gelegten Stimmen des Originals das Orchester beisteuerte, das auch quasi die Band war. Schmalz zeigte sich in der Lage, überzeugend von Mittellagen-Rocktimbre auf fast innige Kopfstimme umzuschalten, was in der "Bohemian Rhapsodie" mehrmals verlangt wird.

Vorm "Europäische Weihnacht"-Abschluss des Abends ließ man noch Andrew Lloyd-Webers "Phantom der Oper" aus deren Katakomben empor steigen. Dabei muss ein Sonderlob allen voran an die Keyboards gehen, ihrer hinreißenden Beiträge und Einsprengsel wegen.

Kaum weniger erfreuten mit allerlei kurzen oder längeren Hervortretungen während des Konzerts insbesondere die Marimbaphon-/Xylophon-Abteilung, Oboen, auch mal ein solierendes Saxofon, eine "weibliche" Trompete mit den Mittellagen- und gewissermaßen "tiefergelegten" Tönen ihrer Improvisation - und: das Schwermetall, das herzerfrischend grummelte, polterte, donnerte, wetterte und bretterte. Wenn es gemeinsam mit allen anderen Orchestersektionen Pause hatte, zeigte Norbert Rink, dass er in der hiesigen Konzertmoderatoren-Szene zur Spitze gehört.

Quelle: Offenbach Post



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